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Prevc holt Gold, Japan siegt im Teambewerb
Domen Prevc krönte sich bei der Skiflug-Weltmeisterschaft in Oberstdorf erstmals zum Weltmeister. Norwegens Marius Lindvik gewann Silber, Japaner Ren Nikaido Bronze. Für das deutsche Team verlief die WM enttäuschend: Bestplatzierter war Philipp Raimund auf Rang 13, Karl Geiger belegte Platz 17. Im Teamwettbewerb holte Japan Gold, Österreich Silber, Norwegen Bronze, Deutschland blieb ohne Medaille.

Die Skiflug-Weltmeisterschaft in Oberstdorf ging mit Domen Prevc als klarem Favoriten an den Start. Der slowenische Überflieger erfüllte diese Rolle auf der Heini-Klopfer-Skiflugschanze eindrucksvoll und krönte sich erstmals zum Weltmeister im Skifliegen.
Bereits nach dem ersten Wettkampftag hatte Prevc die Weichen auf Gold gestellt. Mit Flügen auf 204 und 224,5 Meter übernahm der Top-Favorit nach zwei von insgesamt vier Wertungsdurchgängen souverän die Führung. 332,2 Punkte bedeuteten zur Halbzeit Platz eins vor dem Japaner Ren Nikaido (230,5 und 224,5 m) und Norwegens Marius Lindvik (226,5 und 212 m). Anders als bei klassischen Titelentscheidungen wird der Weltmeister im Skifliegen über vier Durchgänge ermittelt, ein Modus, der Prevc zusätzlich in die Karten spielte.
Am zweiten Wettkampftag ließ der Slowene keine Zweifel mehr aufkommen. Mit 239 und 222,5 Metern baute er seinen Vorsprung weiter aus und sicherte sich mit insgesamt 905,4 Punkten überlegen die Goldmedaille. Lindvik steigerte sich noch von Bronze auf Silber (221 und 231,5 m / 845,9 P.), während Nikaido nach soliden Sprüngen auf 221,5 und 220 Meter Bronze gewann. Bereits im dritten Durchgang unterstrich Prevc seine Ausnahmestellung: Trotz einer Verkürzung um vier Startluken segelte er auf 232 Meter. Im Finale triumphierte er schließlich mit 59,5 Punkten Vorsprung.
Für die deutschen Skispringer verlief die Heim-WM enttäuschend. Zwei Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele verzeichnete das Team von Bundestrainer Stefan Horngacher das schlechteste Einzelergebnis bei einer Skiflug-WM seit 16 Jahren. Karl Geiger rutschte nach kurzen Flügen am Samstag auf Rang 17 ab, Philipp Raimund wurde als bester DSV-Springer 13. Auch Österreich musste seine Medaillenhoffnungen begraben: Jan Hörl bestätigte zwar seine starke Form, blieb aber auch nach vier Durchgängen auf dem undankbaren vierten Platz. Hoffnungsträger Stephan Embacher steigerte sich im Finale immerhin noch auf Rang fünf.
Zum Abschluss der Titelkämpfe sorgte der Teambewerb für Hochspannung und für ein echtes Kuriosum. Japan sicherte sich nach einem packenden Duell mit Österreich die Goldmedaille (1569,6 Punkte), Silber ging an das ÖSV-Quartett, Bronze an Norwegen. Überschattet wurde der Wettkampf von einer Szene mit Seltenheitswert: Ein Ski von Domen Prevc rutschte unkontrolliert hinter dem Startbalken den Anlauf hinunter, weshalb der frischgebackene Einzel-Weltmeister im ersten Durchgang nicht starten durfte. Slowenien belegte am Ende dennoch Rang sechs – punktgleich mit der Schweiz.
Deutschland blieb auch im Team ohne Edelmetall und musste sich vor 10.500 Zuschauern mit Platz vier begnügen. Erstmals seit 16 Jahren kehrte das DSV-Team damit medaillenlos von einer Skiflug-WM zurück. Spannung bot zudem das schweizerische Olympia-Duell zwischen Simon Ammann und Felix Trunz: Auch weil Ammann im Finale bereits nach 160,5 Metern landete und damit deutlich kürzer sprang als Trunz, belegten die Schweizer nur den sechsten Platz noch hinter den Finnen, bei denen Schlussspringer Antti Aalto gleich zweimal die 200-Meter-Marke übertraf.
Nach dem spektakulären WM-Wochenende in Oberstdorf richtet sich der Blick nun nach vorn: Bereits am kommenden Wochenende steht in Willingen der nächste Weltcup an mit einem Mixed-Wettbewerb zum Auftakt sowie den letzten Einzelspringen vor den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina.
